alles auf wein đŸ·

  • Rkatsiteli und andere Zungenbrecher

    Qvevri, Saperavi, Rkatsiteli, Ostkhanuri Sapere – das klingt alles ein bisschen nach Zungenbrecher-Wettbewerb. Und genau deshalb landet Georgien in vielen Köpfen in der Schublade „spannend, aber kompliziert“ und bleibt dann leider auch genau da liegen.

    Dabei tut sich gerade richtig was. Nicht nur die uralte Qvevri-Tradition mit den in der Erde vergrabenen Tonamphoren und der MaischegĂ€rung – eine neue Generation von Winzern versucht, georgische Rebsorten und HerkĂŒnfte so zu erzĂ€hlen, dass man sie auch außerhalb Georgiens versteht, ohne dass jeder Wein wie eine Kopie aus dem Burgund schmecken muss.

    Und offenbar kommt das an: Die Einfuhren georgischen Weins nach Deutschland haben sich zwischen 2020 und 2024 mengenmĂ€ĂŸig fast verdreifacht. (GTAI)

    Also: Zeit fĂŒr eine Georgien-Probe. Neun Weine, quer durch die Zungenbrecher-Liste: Saperavi in drei JahrgĂ€ngen (2015, 2020, 2024), dazu Tsolikouri, Kisi, Aleksandrouli und Ostkhanuri Sapere. Orange Wine neben klassisch Ausgebautem, gereifte Flaschen neben taufrischen JahrgĂ€ngen.

    Das Ergebnis ist vor allem eines: ein ziemlich gutes Argument dafĂŒr, georgischen Wein nicht auf Qvevri und Orange Wine zu reduzieren.

    SĂ€ure ist nicht das einzige GerĂŒst

    Wer viel Riesling, weißen Burgunder oder GrĂŒnen Veltliner trinkt, hat gelernt: Struktur kommt vor allem ĂŒber SĂ€ure. Bei georgischen Weinen tickt das oft anders – hier ĂŒbernehmen Textur, Grip und Gerbstoff einen guten Teil dieser Aufgabe.

    Kann super funktionieren. Kann aber auch kippen, wenn’s zu breit wird. Genau dieses Spannungsfeld macht die Probe interessant.

    Die Weißen: eigenstĂ€ndig statt exotisch-fĂŒr-exotisch

    Ilia Estate Taoba White 2024

    Reduktive Nase, reife Frucht, ein nussiger Einschlag. Am Gaumen voll, die SĂ€ure gut eingebunden – aber der eigentliche Star ist die Textur: schmierig-schmirgelnd, mit Grip und einem leicht bitterlichen Zug.

    Kein Wein, der sich in die ĂŒbliche Weißwein-Schublade pressen lĂ€sst. Musste ihn mir zweimal einschenken, um ihn wirklich zu greifen – und genau deshalb bleibt er mir im Kopf.

    Oda Family Marani Tsolikouri 2023

    Rauchig-wĂŒrzig, Ă€therisch, dazu reife Frucht. Klingt erstmal nach einer Kombination, die schnell ins Rustikale abrutschen kann.

    Tut sie nicht. Der Grip hÀlt das ganze Aromen-Sammelsurium zusammen, der Wein bleibt strukturiert statt wild.

    Muss nicht wie ein europĂ€ischer Weißwein schmecken, um gut zu sein. Funktioniert einfach ĂŒber seine eigene Sprache.

    Koncho & Co Kisi 2024

    Tee, BlĂŒten, KrĂ€uter in der Nase. Am Gaumen mittlerer Körper, mittlere SĂ€ure, astringierendes Tannin – tendiert eher Richtung breit als prĂ€zise.

    Dazu ein kleiner Schatten, der sich nicht ganz sauber anfĂŒhlt. Kein K.-o.-Kriterium, eher ein leichtes Fragezeichen ĂŒber einem sonst durchaus ansprechenden Bild.

    Zeigt aber schön: Auch ein Weißwein kann sich ĂŒber Textur und Gerbstoff definieren, nicht nur ĂŒber Aromatik.

    Mosmieri Tsinandali 2024

    Frisch, krĂ€uterwĂŒrzig, reife Frucht im Hintergrund. Mittlere SĂ€ure, etwas Grip – aber die 13 % Alkohol sind noch nicht ganz eingebunden und drĂ€ngen sich mehr vor, als dem Wein guttut.

    Mittellanger Abgang.

    Tsinandali ist eine der bekanntesten georgischen HerkĂŒnfte – und ein gutes Beispiel dafĂŒr, dass ein großer Name allein noch keine große QualitĂ€t macht.

    Saperavi: Georgiens Trumpfkarte?

    Wenn eine Sorte Georgien international einen eigenen Platz erobern kann, dann diese: dunkel, tanninreich, kraftvoll. Kann schnell too much werden – internationale Verkoster betonen gerade bei Saperavi, wie wichtig ein kontrolliertes Tannin- und Extraktionsmanagement ist. (IWSC Wettbewerbe)

    Es wurden drei Saperavi aus drei JahrgĂ€ngen probiert. Kein sauberer Vergleich, dafĂŒr sind Produzent, Lage und Ausbau zu unterschiedlich – aber zusammen zeigen sie ziemlich gut, was in der Sorte steckt.

    Mosmieri Saperavi 2015

    Pfeffer, Kompott, gekochte Frucht, im Hintergrund KrÀuter. Am Gaumen fein integriertes Tannin mit Grip.

    Und dieser Grip ist der Gamechanger: Elf Jahre nach der Ernte wirkt der Wein nicht mĂŒde, sondern zusammengewachsen. Kraft und Reife nebeneinander, ohne sich gegenseitig im Weg zu stehen.

    FĂŒr mich einer der stĂ€rksten EindrĂŒcke der ganzen Probe – und der beste Beweis, dass gereifter Saperavi eben kein kurioser dunkler Rotwein aus dem Ausland ist, sondern Reife und Struktur ernsthaft draufhat.

    Bedoba Saperavi Reserve 2020

    Feinere Nase, dunkle Beeren, gekochte Frucht, fein eingebundenes Tannin, das sich nicht in den Vordergrund drĂ€ngt – genau das macht den Wein so trinkig.

    Kleine Erkenntnis am Rande: Die Power der Sorte ist nicht das Problem. Entscheidend ist, wie damit umgegangen wird.

    Ziari Estate Saperavi Single Vineyard 2024

    Der JĂŒngste im Bunde geht direkter zur Sache: gekochte Frucht, schmirgelndes Tannin mit Grip, mittellanger Abgang. Wenig Reife, klar – aber Frucht, Tannin und Grip sitzen schon jetzt geradlinig zusammen. Wieder ist es die Textur, die den Wein trĂ€gt.

    Drei Saperavi, drei JahrgĂ€nge, drei ziemlich unterschiedliche Entwicklungsstadien – und trotzdem zieht sich ein roter Faden durch die Weine: Saperavi kann Kraft und Struktur, ohne zwangslĂ€ufig schwer oder plump zu wirken.

    Das ist kein Beweis, dass Georgien schon auf Augenhöhe mit den großen Rotweinregionen spielt. Aber ein ziemlich gutes Argument dagegen, Saperavi als exotische Randnotiz abzutun.

    Und dann die Namen, die wirklich niemand aussprechen kann

    Saperavi hat’s einfach: dunkel, krĂ€ftig, tanninreich, leicht erzĂ€hlbar. Kisi, Tsolikouri oder Ostkhanuri Sapere mĂŒssen sich ihren Platz im internationalen Weinwortschatz erst noch erkĂ€mpfen.

    Gvantsa’s Wine Ostkhanuri Sapere 2024

    KrĂ€uter, WĂŒrze, gekochte rote FrĂŒchte, Himbeere – dazu ein leicht bitzeliges GefĂŒhl auf der Zunge, das dem Ganzen Leben einhaucht. Kein Wein, der ĂŒber Wumms beeindrucken will. Seine StĂ€rke: die Kombination aus WĂŒrze, Frucht und dieser fast spielerischen Lebendigkeit.

    Koncho & Co Aleksandrouli 2020

    Nicht jeder Wein muss ein Highlight sein, und dieser hier ist keins. Veilchen, Bleistiftspitze, warme gekochte Frucht in der Nase. Am Gaumen nicht ganz trocken, mittlere SĂ€ure – zusammen ergibt das einen breiten, wenig spannungsreichen Eindruck. FĂŒr mich fĂŒgen sich die Elemente nicht zur gewĂŒnschten Spannung zusammen.

    Und trotzdem gehört er fĂŒr mich zum Gesamtbild dazu. Eine ernsthafte Weinregion erkennt man nĂ€mlich nicht daran, dass jeder Wein ein Ausrufezeichen ist – sondern daran, dass genug Weine da sind, bei denen sich das genauere Hinschauen lohnt.

    Wo steht Georgien eigentlich?

    Spannendere Frage als die nach der Qvevri, ehrlich gesagt.

    Georgien muss sich nicht neu erfinden. Eigene Rebsorten, eigene Weinbautradition, klar erkennbare Herkunft – das haben viele jĂŒngere Weinregionen erst mĂŒhsam zu entwickeln. Die eigentliche Aufgabe: diese EigenstĂ€ndigkeit so zu ĂŒbersetzen, dass sie international ankommt.

    Und genau da tut sich gerade was: Georgischer Wein wird auf internationalen Messen sichtbarer, und die Aufmerksamkeit bleibt lĂ€ngst nicht mehr bei Saperavi und Qvevri stehen – Kisi, Tsolikouri und Co. rĂŒcken bei Wettbewerben zunehmend mit ins Bild. (The Buyer)

    Auch der Export wĂ€chst: 2025 gingen 11,5 Millionen Liter georgischen Weins nach Europa, Deutschland war mit 1,3 Millionen Litern der zweitgrĂ¶ĂŸte Abnehmer hinter Polen. (Weinbehörde Georgien)

    Heißt nicht, dass Georgien jetzt neben Burgund und Barolo steht. Muss es auch gar nicht. Die ĂŒberzeugendsten Weine dieser Probe funktionieren nĂ€mlich gerade dann, wenn sie ihre Herkunft nicht verstecken: der Taoba ĂŒber Textur, der Tsolikouri ĂŒber Grip und Rauch, die Saperavi ĂŒber Tannin und Reifepotenzial, der Kisi ĂŒber Tee und KrĂ€uter.

    Keine Kopien bekannter Stilbilder – eigene Handschrift.

    Fazit: mehr Kapitel, weniger Fußnote

    Was bleibt von neun Weinen, drei JahrgÀngen Saperavi und ziemlich vielen Zungenbrechern?

    Vor allem das: Georgien ist auf dem Weg vom Weinland mit der spektakulĂ€ren Geschichte zum Weinland mit einer richtig spannenden Gegenwart. Die Qvevri bleibt wichtiges Erbe, muss aber nicht die einzige Story bleiben – Tradition und moderne PrĂ€zision können locker nebeneinander existieren.

    Der Saperavi 2015 war fĂŒr mich der beste Beleg dafĂŒr: kein museales Kuriosum, sondern ein Wein mit integriertem Tannin, Grip und eigener Sprache. Und daneben ein Tsolikouri, den außerhalb Georgiens kaum jemand kennt und der gerade durch seine EigenstĂ€ndigkeit ĂŒberzeugt.

    Georgien muss nicht das nĂ€chste Frankreich werden. Muss auch nicht wie Italien, Spanien oder Österreich schmecken. Wenn die besten neuen georgischen Weine ihren eigenen Charakter behalten und gleichzeitig genug PrĂ€zision mitbringen, schafft sich das Land seinen Platz im Weinpanorama ganz von allein.

    Nicht als exotische Fußnote. Sondern als eigenes Kapitel – Zungenbrecher inklusive.

    Rkatsiteli und andere Zungenbrecher

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  • Hallo Welt – und willkommen bei Flaschenroulette

    Noch ist hier vieles im Aufbau. Aber irgendwann muss man einfach anfangen. Und genau das möchte ich mit diesem Blog tun: ĂŒber Wein schreiben, Weine probieren, Dinge hinterfragen und dabei möglichst wenig so tun, als gĂ€be es auf jede Weinfrage eine endgĂŒltige Antwort.

    Wer wissen möchte, wer hinter Flaschenroulette steckt und was mich antreibt, findet mehr auf der Über mich-Seite.

    FĂŒr den ersten Wein habe ich einen gewĂ€hlt, der ziemlich gut zu dem passt, was ich mir fĂŒr diesen Blog wĂŒnsche:

    Philipp Kuhn Chardonnay Dirmsteiner „vom Kalkmergel“ Ortswein 2024

    Intensive Nase mit Schmelz und einer Ă€therischen Note, dazu Zitrusschale und reife Frucht. Am Gaumen trifft eine herzhafte SĂ€ure auf Steinobst – voll im Mund, mit einem leichten Bitterl, das fĂŒr Kontur sorgt. Im Nachhall bleiben NĂŒsse und eine angenehme, leicht herbe Note.

    FĂŒlle und Frische schließen sich hier nicht aus, sondern tragen sich gegenseitig. Sehr schön!

    Ein ziemlich schöner Auftakt also. Und vielleicht auch ein kleines Versprechen fĂŒr das, was hier noch kommen soll: Weine, die nicht in erster Linie ĂŒber Rankings und Bewertungen funktionieren, sondern ĂŒber das, was sie erzĂ€hlen und welchen Charakter sie haben.

    Dabei wird es um deutsche Weine gehen, um Regionen und Winzer, um JahrgĂ€nge und Stilfragen – aber genauso um Entdeckungen abseits bekannter Pfade und der großen Namen. Mal begeistert, mal kritisch, hoffentlich immer mit einer eigenen Meinung.

    Flaschenroulette ist damit eröffnet.

    Schön, dass ihr da seid.

    Hallo Welt – und willkommen bei Flaschenroulette

    Noch ist hier vieles im Aufbau. Aber irgendwann muss man einfach anfangen. Und genau das möchte ich mit diesem Blog tun: ĂŒber Wein schreiben, Weine probieren, Dinge hinterfragen und dabei möglichst wenig so tun, als gĂ€be es auf jede Weinfrage eine endgĂŒltige Antwort. Wer wissen möchte, wer hinter Flaschenroulette steckt und was mich antreibt, findet…

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