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  • Bret Brothers: Bang for a buck

    Manchmal braucht es im Burgund keinen großen Namen auf dem Etikett. Kein Puligny-Montrachet, kein Meursault, kein Premier Cru. Manchmal reicht ein Mâcon-Villages – zumindest dann, wenn er von den richtigen Leuten gemacht wird.

    Wer sich etwas intensiver mit dem Mâconnais beschäftigt, kommt an Jean-Philippe und Julien Bret kaum vorbei. Außerhalb der Burgund-Bubble ist der Name trotzdem noch deutlich weniger präsent als viele der großen Adressen weiter nördlich. Vielleicht ist genau das der Reiz: Das Mâconnais hat in den vergangenen Jahren einiges dafür getan, sein Image als Herkunft für unkomplizierte und günstige Burgunder abzuschütteln. Bret Brothers zeigen, dass Chardonnay hier mehr kann als unkomplizierten Durstlöscher.

    Chardonnay mit Herkunft

    Bei Bret Brothers steht die Herkunft im Zentrum – nicht die Frage, wie nah ein Chardonnay aus dem Mâconnais an einen großen Wein aus der Côte de Beaune herankommt, sondern was er an diesem südlicheren Ende Burgunds selbst zu erzählen hat.

    Dafür haben Jean-Philippe und Julien Bret 2001 ihre eigene kleine „Micro-Winery“ gegründet. Statt sich ausschließlich auf eigene Rebflächen zu konzentrieren, suchen sie gezielt nach kleinen Parzellen mit alten Reben und spezifischen Terroirs. Die Trauben stammen von ausgewählten Weinbauern und werden ausschließlich auf dem Stock eingekauft, von Flächen, die biologisch zertifiziert oder in Umstellung sind. Gelesen wird von Hand mit dem eigenen Team, danach übernehmen die Bret Brothers vollständig: natürliche Hefen, eigener Ausbau, eigene Abfüllung – derselbe Anspruch wie bei den Weinen ihres eigenen Weinguts La Soufrandière.

    Heute entstehen so rund 50.000 Flaschen aus etwa acht Hektar Rebfläche, verteilt auf 14 verschiedene Cuvées. Seit 2013 gehört auch das Beaujolais zum Sortiment. Klein ist der Betrieb also durchaus – klein im Anspruch allerdings nicht.

    Mâcon-Villages Cuvée Terroirs du Mâconnais 2024

    Was mich daran reizt: Hier landet Wein aus durchaus renommierten Appellationen in einer weniger prestigeträchtigen Flasche. Ein großer Teil der Cuvée stammt aus Fässern verschiedener Herkünfte – unter anderem Viré-Clessé „La Verchère“, Saint-Véran „En Combe“ und Pouilly-Fuissé „En Carementrant“. Also Appellationen, bei denen man durchaus genauer hinschaut, wenn man Burgund im Glas haben möchte.

    Eine ziemlich charmante Art, mit Hierarchien umzugehen: Was bei anderen vielleicht als zu schade für einen einfachen Regionalwein gelten würde, landet hier einfach in der weniger prestigeträchtigen Flasche. Auch bei der Vinifikation wird nicht gespart – die von Hand gelesenen Trauben werden als ganze Beeren gepresst und vollständig in 228-Liter-Eichenfässern vergoren und elf Monate darin ausgebaut.

    Im Glas: Reife Zitrusfrüchte, die sofort da sind, dahinter Steinobst und zarte Blüten. Als Kontrapunkt dazu etwas Rauchiges, ein Hauch Zündplättchen – eine mineralische Schärfe, die man eher mit kühleren, strengeren Weinen verbindet als mit einem so fruchtigen Auftakt.

    Am Gaumen bestätigt sich dieser Doppelcharakter: saftig, mit straffem Zug, getragen von einer gut integrierten Säure, die für Spannung sorgt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Auffällig ist das kräftige Schmirgeln – eine Textur, die man diesem Wein angesichts der duftig-blumigen Nase auf den ersten Blick nicht zutrauen würde. Eine spürbare Salzigkeit gibt dem Ganzen zusätzlichen Halt.

    Helle, sommerliche Frucht auf der einen Seite, rauchig-schmirgelnde, salzige Struktur auf der anderen – diese Kombination macht den Wein interessant, auch wenn er kein Wein ist, der auf die große Bühne drängt.

    Für mich bleibt er vor allem eines: Nachschenken.

    Nicht unbedingt, weil er mit großer Komplexität beeindrucken will, sondern weil er diese Mischung aus Frucht, Zug, Rauch und salziger Textur so selbstverständlich zusammenbringt, dass das Glas plötzlich ziemlich schnell leer ist.

    Fazit

    Kein Geheimtipp mehr. Aber ein guter Tipp. Bret Brothers muss man nicht mehr verkaufen, dafür sind die Weine zu bekannt und der Ruf zu gut. Es lohnt sich trotzdem, den Namen auf dem Zettel zu haben – als Erinnerung daran, dass nicht jeder gute Wein eine große Appellation tragen muss. Dass in diesem Mâcon-Villages Partien aus deutlich prestigeträchtigeren Lagen stecken, macht ihn nicht automatisch zu einem großen Wein. Aber zu einem ziemlich interessanten.

    Bret Brothers. Mâcon-Villages Cuvée Terroirs du Mâconnais 2024. Kein ganz großer Name. Aber eine ziemlich gute Flasche Wein.

    Bret Brothers: Bang for a buck

    Manchmal braucht es im Burgund keinen großen Namen auf dem Etikett. Kein Puligny-Montrachet, kein Meursault, kein Premier Cru. Manchmal reicht ein Mâcon-Villages – zumindest dann, wenn er von den richtigen Leuten gemacht wird. Wer sich etwas intensiver mit dem Mâconnais beschäftigt, kommt an Jean-Philippe und Julien Bret kaum vorbei. Außerhalb der Burgund-Bubble ist der Name…

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  • Spätburgunder in Baden 2024: Schwieriges Jahr, guter Wein?

    Manche Jahrgänge machen es den Winzern leicht. 2024 gehörte in Baden definitiv nicht dazu.

    Sehr früher Austrieb, Spätfröste im April, viel Regen, hoher Krankheitsdruck, schwierige Blüte – eigentlich alles, was ein Weinjahr braucht, um zur Achterbahn zu werden. Dass am Ende trotzdem gute bis sehr gute Qualitäten im Keller landeten, ist weniger selbstverständlich, als es die fertigen Weine vermuten lassen.

    Und genau das macht 2024 interessant: Der Jahrgang liest sich auf dem Papier deutlich schwieriger, als er sich im Glas präsentiert.

    Guter Anlass also, einen Spätburgunder aus diesem Jahr genauer anzuschauen – den Herrenstück Pinot Noir 2024 von Holger Koch aus Bickensohl.


    2024: Erst zu früh, dann zu nass

    Die Reben legten mit ungünstigem Timing los: früher Austrieb, dann im April noch einmal Kälte. Die Spätfröste trafen Baden nicht überall gleich hart – Mittel- und Nordbaden erwischte es deutlich stärker als den Süden, im Kraichgau und in Tauberfranken waren die Schäden teils dramatisch. Auch die Blüte machte nicht mit: Kühle Bedingungen führten regional zu Verrieselung und damit zu weiteren Ertragseinbußen.

    Und als wäre das noch nicht genug, folgte ein nasses, wechselhaftes Vegetationsjahr. Viel Wasser ist für Reben erst einmal keine schlechte Nachricht – in Kombination mit Wärme und häufigem Regen heißt es aber vor allem: Pilzdruck. Peronospora und Oidium verlangten den Winzern einiges ab, während die Reben gleichzeitig kräftig wuchsen und entsprechend viel Laubarbeit verlangten.

    Das Deutsche Weininstitut nennt 2024 folgerichtig einen ausgesprochen arbeitsintensiven Jahrgang – Spätfrost, Niederschläge und wechselhaftes Wetter machten den Weinbau vielerorts zum Balanceakt.

    Und darin steckt ein Problem, das über den Jahrgang 2024 hinausweist: Wärmere Frühjahre lassen die Reben früher austreiben – und erhöhen damit das Risiko, dass ein später Kälteeinbruch genau in eine besonders empfindliche Phase fällt. Auch beim VDP-Rückblick auf 2024 wird auf die deutlich früheren Entwicklungs- und Erntezeitpunkte der vergangenen Jahre hingewiesen.


    Weniger Trauben, aber nicht unbedingt weniger Qualität

    Die Schwierigkeiten schlugen sich auch in den Erträgen nieder: Für Baden wurde eine Erntemenge von rund 1,1 Millionen Hektolitern erwartet, etwa 14 Prozent weniger als im Vorjahr – Mittel- und Nordbaden traf es am härtesten, im Markgräflerland fiel der Rückgang deutlich moderater aus.

    Trotzdem fällt die Qualitätsbilanz erstaunlich positiv aus. Ende August drehte das Wetter: Längere sonnige, trockene Phasen nahmen dem Jahrgang die Spannung, die Hauptlese konnte Mitte September starten. Der Badische Weinbauverband rechnete entsprechend mit intensiver Frucht, moderatem Alkohol und etwas höherer, aber angenehmer Säure – gerade die Burgundersorten profitierten davon.

    Klingt vielversprechend. Aber was heißt das konkret für Spätburgunder?


    Spätburgunder zwischen Reife und Frische

    Bei kaum einer Rebsorte zeigen sich Jahrgangsunterschiede so deutlich wie beim Spätburgunder. In heißen Jahren tendiert Pinot Noir schnell zu reifer, dunkler Frucht, mehr Alkohol, mehr Konzentration – kann großartig sein, muss aber nicht.

    2024 war in Baden ein anderes Spiel: moderate Temperaturen, gute Wasserversorgung, langer Vegetationsverlauf – eine Kombination, die den Weinen Frische und Präzision geben konnte, während die geringeren Erträge für Konzentration sorgten. Das Deutsche Weininstitut erwartete für Baden entsprechend Weine mit intensiver Frucht, moderatem Alkohol und etwas höherer Säure.

    Auf dem Papier also gute Voraussetzungen für Spätburgunder.

    Vorausgesetzt, der Winzer ist im Weinberg heil durchs Jahr gekommen.


    Holger Koch: Herrenstück Pinot Noir 2024

    Ein Betrieb, an dem sich das gut beobachten lässt: Weingut Holger Koch in Bickensohl. Der Herrenstück Pinot Noir stammt aus der gleichnamigen Ortslage, Koch selbst beschreibt 2024 als kühles Jahr mit geringem Ertrag – kleine, konzentrierte Trauben.

    Der Ausbau ist klassisch: 18 Tage Maischegärung mit 30 Prozent ganzen Trauben und wilden Hefen, elf Monate Reife in 300- und 500-Liter-Holzfässern. Koch selbst nennt den Jahrgang feiner und knackiger als die Vorjahre, mit lang anhaltender Substanz und Entwicklungspotenzial. 12,5 Prozent Alkohol, 5,2 g/l Säure, 3,1 g/l Restzucker.

    Gerade in einem schwierigen Jahr wird interessant, wie stark sich die Handschrift des Winzers im fertigen Wein zeigt.

    Klingt nach einem Pinot Noir, bei dem der Jahrgang eine Rolle spielt. Ab ins Glas also.


    Holger Koch Herrenstück Pinot Noir 2024

    Die Nase eröffnet mit roten Früchten und Kirsche, unterlegt von einer leichten Süße, die den Wein von Anfang an zugänglich macht. Dazu gesellt sich eine Note Heu – ein kleiner, erdigerer Kontrapunkt, der die Frucht nicht dominiert, aber verhindert, dass der Wein rein süß-fruchtig wirkt.

    Am Gaumen setzt sich dieses Bild fort: Kirschbonbon, verspielt und unmittelbar zugänglich, trifft auf eine frische Säure, die für Zug sorgt. Dazu kommt ein ganz leichtes Schmirgeln, fast wie ein Hauch Bleistift – eine feine, kaum greifbare Textur, die möglicherweise vom Holz stammt, aber so dezent bleibt, dass sie eher Nuance als Strukturelement ist.

    Der Wein wirkt ausgesprochen rund: Nichts ragt heraus, nichts eckt an, alles fügt sich zu einem stimmigen Gesamtbild. Der Abgang ist mittellang, die Kirsche bleibt als letzter Eindruck zurück und schließt den Bogen zur Nase.

    Was diesen Wein auszeichnet, ist eher das, was nicht passiert, als das, was passiert: keine unangenehme Schärfe, kein aufdringliches Holz, kein Bruch zwischen Nase und Gaumen. Ein Pinot Noir, der einfach funktioniert, ohne sich groß anzustrengen.

    Große Dimensionalität sollte man trotzdem nicht erwarten. Keine Schichten, die sich nach und nach erschließen, keine Überraschung, die den Wein nach einer Stunde plötzlich größer wirken lässt. Das ist keine Kritik, nur eine Einordnung.

    Dieser Pinot Noir ist kein Wein für stundenlanges Nachdenken, sondern einer für den guten Trinkfluss. Er muss sich nicht beweisen, um zu gefallen.

    Und trotzdem ist er nicht ganz mein Beuteschema. Mir fehlt ein wenig die Spannung, die Tiefe und dieser Moment, der mich beim zweiten oder dritten Schluck noch einmal genauer hinschauen lässt. Aber genau darin liegt vielleicht auch seine Stärke: Er will gar kein Wein zum Sezieren sein. Er will getrunken werden.


    Was bleibt von 2024?

    Der Herrenstück Pinot Noir bestätigt einen guten Teil dessen, was man über 2024 liest: moderater Alkohol, eher rote als dunkle Frucht, ein unkomplizierter Zug, der ihn schnell zugänglich macht.

    Die Grenze zeigt sich aber auch: Die große Tiefe, die einen Spätburgunder für mich vom guten Trinkwein zum wirklich großen Wein macht, ist hier nicht drin. Eher horizontal als vertikal gebaut – angenehm in die Breite, ohne viele Schichten obendrauf.

    Und genau das ist vermutlich die Antwort auf die Frage vom Anfang: 2024 musste in Baden keine dicken, konzentrierten Kracher hervorbringen. Seine Stärke liegt woanders – Frische, moderate Kraft, unkomplizierter Trinkfluss. Beim Herrenstück funktioniert genau das ziemlich gut.

    Nicht spektakulär. Aber verdammt stimmig. Und manchmal ist genau das für eine Flasche Wein schon ziemlich viel – schwieriges Jahr hin oder her.


    Quellen

    Spätburgunder in Baden 2024: Schwieriges Jahr, guter Wein?

    Manche Jahrgänge machen es den Winzern leicht. 2024 gehörte in Baden definitiv nicht dazu. Sehr früher Austrieb, Spätfröste im April, viel Regen, hoher Krankheitsdruck, schwierige Blüte – eigentlich alles, was ein Weinjahr braucht, um zur Achterbahn zu werden. Dass am Ende trotzdem gute bis sehr gute Qualitäten im Keller landeten, ist weniger selbstverständlich, als es…

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  • Die Mosel und die jungen Wilden

    Ich mag junge Winzer. Nicht automatisch – aber besonders dann, wenn sie nicht versuchen, möglichst schnell wie der eigene Vater zu klingen und zu schmecken.

    An der Mosel gibt es gerade einige davon. Winzer, die ihre eigenen Vorstellungen haben und trotzdem ziemlich genau wissen, wo sie herkommen.

    Julian Haart gehört für mich dazu.

    Julian Haart hat bei einigen der Allerbesten gelernt und zeigt einen Stil, den man an der Mosel heute gar nicht mehr so häufig findet. Riesling mit richtig Zug, einer fast schon laserschwertartigen Säure und fein eingebundenem Restzucker – zum Beispiel beim JJ Kabinett 2023.

    Zitrone und reifer grüner Apfel, dazu Mineralik und ein Schiefer-Eindruck, der tatsächlich schmeckbar ist. Am Gaumen dann dieses Spiel aus Süße und Säure, bei dem nichts die Oberhand gewinnt.

    Und vor allem: Ganz viel Spaß im Glas.

    Der Trinkwiderstand ist gering, die Flasche dürfte an einem warmen Abend nicht allzu lange halten. Die ganz große Komplexität ist hier gar nicht das Thema … und dann ist die Flasche auch schon leer.

    Ein Name, an dem man an der Mosel kaum vorbeikommt: Max Kilburg.

    Nach seinem Weinbaustudium in Geisenheim und Praktika in Südafrika, den USA und Australien kehrte Max Kilburg in den elterlichen Betrieb zurück. Dort wurde – allem elterlichen Widerstand zum Trotz – auf biologische Bewirtschaftung umgestellt.

    Heute setzt Max Kilburg auf spontane Vergärung, langes Hefelager und möglichst wenig Eingriff.

    Der Olgisberg Riesling 2023 trocken zeigt das ziemlich gut. Die Nase ist intensiv und zitrisch, dazu Tee, grüner Apfel und Minze. Am Gaumen dann ordentlich Säure – so viel, dass man kurz blinzelt.

    Dazu feine Phenolik und ein leicht kreidiger Eindruck. Die Säure gibt dem Wein Struktur, die Phenolik sorgt für zusätzlichen Grip. Trotz der Wucht wirkt das erstaunlich gut integriert.

    Der Wein zeigt bereits etwas Reife, dürfte aber noch einiges vor sich haben.

    Was mir an solchen Weinen Spaß macht, ist gar nicht die Frage, ob einer nun einen Punkt mehr oder weniger verdient. Spannender ist, dass da eine Generation nachkommt, die offenbar ziemlich genau weiß, was sie will.

    Tradition gibt es an der Mosel schließlich schon genug. Da dürfen ein paar junge Wilde gerne dazwischenfunken.

    Die Mosel und die jungen Wilden

    Ich mag junge Winzer. Nicht automatisch – aber besonders dann, wenn sie nicht versuchen, möglichst schnell wie der eigene Vater zu klingen und zu schmecken. An der Mosel gibt es gerade einige davon. Winzer, die ihre eigenen Vorstellungen haben und trotzdem ziemlich genau wissen, wo sie herkommen. Julian Haart gehört für mich dazu. Julian Haart…

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