Ich mag junge Winzer. Nicht automatisch – aber besonders dann, wenn sie nicht versuchen, möglichst schnell wie der eigene Vater zu klingen und zu schmecken.
An der Mosel gibt es gerade einige davon. Winzer, die ihre eigenen Vorstellungen haben und trotzdem ziemlich genau wissen, wo sie herkommen.
Julian Haart gehört für mich dazu.
Julian Haart hat bei einigen der Allerbesten gelernt und zeigt einen Stil, den man an der Mosel heute gar nicht mehr so häufig findet. Riesling mit richtig Zug, einer fast schon laserschwertartigen Säure und fein eingebundenem Restzucker – zum Beispiel beim JJ Kabinett 2023.
Zitrone und reifer grüner Apfel, dazu Mineralik und ein Schiefer-Eindruck, der tatsächlich schmeckbar ist. Am Gaumen dann dieses Spiel aus Süße und Säure, bei dem nichts die Oberhand gewinnt.
Und vor allem: Ganz viel Spaß im Glas.
Der Trinkwiderstand ist gering, die Flasche dürfte an einem warmen Abend nicht allzu lange halten. Die ganz große Komplexität ist hier gar nicht das Thema … und dann ist die Flasche auch schon leer.
Ein Name, an dem man an der Mosel kaum vorbeikommt: Max Kilburg.
Nach seinem Weinbaustudium in Geisenheim und Praktika in Südafrika, den USA und Australien kehrte Max Kilburg in den elterlichen Betrieb zurück. Dort wurde – allem elterlichen Widerstand zum Trotz – auf biologische Bewirtschaftung umgestellt.
Heute setzt Max Kilburg auf spontane Vergärung, langes Hefelager und möglichst wenig Eingriff.
Der Olgisberg Riesling 2023 trocken zeigt das ziemlich gut. Die Nase ist intensiv und zitrisch, dazu Tee, grüner Apfel und Minze. Am Gaumen dann ordentlich Säure – so viel, dass man kurz blinzelt.
Dazu feine Phenolik und ein leicht kreidiger Eindruck. Die Säure gibt dem Wein Struktur, die Phenolik sorgt für zusätzlichen Grip. Trotz der Wucht wirkt das erstaunlich gut integriert.
Der Wein zeigt bereits etwas Reife, dürfte aber noch einiges vor sich haben.
Was mir an solchen Weinen Spaß macht, ist gar nicht die Frage, ob einer nun einen Punkt mehr oder weniger verdient. Spannender ist, dass da eine Generation nachkommt, die offenbar ziemlich genau weiß, was sie will.
Tradition gibt es an der Mosel schließlich schon genug. Da dürfen ein paar junge Wilde gerne dazwischenfunken.

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